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IPS-Tagesdienst vom 3. Februar 2012
Südostasien: ASEAN fördert Kulturaustausch durch Musik - Mitgliedsländer blockieren
von Kalinga Seneviratne

Vientiane, 3. Februar (IPS) - Der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) will die kulturellen Brücken zwischen seinen Mitgliedern ausbauen. In Laos fand kürzlich das erste Konzert statt, bei dem Sänger und Tänzer aus acht südostasiatischen Ländern auf der Bühne standen. Außer Laos übertrug allerdings kein einziger ASEAN-Staat das Ereignis im Fernsehen.
Veranstalter und Künstler waren sich daher einig, dass sich die Regierungen der ASEAN-Staaten noch stärker für die Förderung einer regionalen Kultur engagieren müssen. "Laos hat die Initiative für das erste ASEAN-Konzert ergriffen. Wir hoffen nun, dass die Veranstaltung jedes Jahr in einem anderen Land stattfinden wird", sagte Khamphanh Phonthongsy, der den Ausschuss des Staatenbundes für Kultur und Information (COCI) vertritt.
Neben Laos waren Indonesien, Thailand, Vietnam, Brunei, die Philippinen, Malaysia und Kambodscha an dem Konzert beteiligt. Als einzige ASEAN-Mitglieder schickten Singapur und Burma keine Künstler nach Vientiane. Jeder Sänger stellte zwei Lieder vor, eines in der eigenen Landessprache und eines auf Englisch. Die Musik kam vom Band. Dafür traten mit den Sängern Tänzer in traditionellen Gewändern auf, die den Darbietungen zusätzliche Farbe verliehen.
Laotische Künstler studierten regionale Tänze ein
"Alle Tänzer kamen aus Laos", erklärte Phonthongsy. "Künstler aus den anderen Ländern schickten uns DVDs, nach denen die Laoten die typischen Tänze einstudierten." Um den Live-Auftritt vorzubereiten, gab es nur eine Probe am Tag vor dem Konzert. Die geschmeidigen Bewegungen der Tänzer auf der Bühne waren ein überzeugender Beweis dafür, dass zwischen der Musikkultur der Länder in der Region große Gemeinsamkeiten bestehen.
"Früher habe ich YouTube nach Musik aus den ASEAN-Ländern abgesucht. Ich war jetzt völlig begeistert davon, selbst an dem Konzert beteiligt zu sein", sagte der laotische Popstar Tee Oudalai. "Ich denke, dass wir noch mehr tun müssen."
Die vietnamesische Popsängerin Lo Ngoc Hau kritisierte, dass die Fernsehsender in ihrem Land keine Musikprogramme aus anderen Staaten der Region verbreiten. "Um etwas über die Musik in den anderen Ländern zu erfahren, muss ich mir CDs anhören."
Insofern hat das Ereignis in der Nationalen Kulturhalle in Vientiane einen Meilenstein gesetzt. Das zweieinhalbstündige Konzert wurde über Satellit in 20 weitere Länder übertragen. Wie die Veranstalter beklagten, schloss sich allerdings kein weiteres ASEAN-Land der Initiative an.
Nach Ansicht des philippinischen Künstlers Jan Pablo ist die Landwirtschaft der gemeinsame Nenner, auf dem sich die ASEAN-Staaten treffen. Dieses Thema ist auch Inhalt vieler Volkslieder. Auch wenn die Sänger sich in verschiedenen Sprachen ausdrücken, ist Pablo doch davon überzeugt, dass die Landwirtschaft die Staaten auch auf der künstlerischen Ebene zusammenführen kann.
"Wir können andere Menschen durch Musik beeinflussen", sagte er IPS. "Dazu brauchen wir aber mehr Werbung. Die staatlichen Radiosender müssen uns dabei helfen, denn mit Unterstützung der privaten Sender können wir nicht rechnen."
Sie sei begeistert von den Songs, da sie aus einem kulturellen Austausch heraus entstanden seien, erklärte die Sängerin Putri Noriza aus Brunei. Ob die Zeit schon reif sei, um Rhythmen wie Dangdut oder Joget zu regionalen Tänzen zu erklären, weiß sie nicht.
In Vientiane war das Publikum immerhin so begeistert, dass die indonesische Künstlerin Indri Tribuana nach ihrer Dangdut-Vorführung eine Zugabe geben musste. "Ich habe Dangdut ausgesucht, weil der Tanz mein Land repräsentiert und bei uns sehr beliebt ist", sagte sie.
Anglo-amerikanische Musik dominiert den Markt
Pablo macht die Dominanz der anglo-amerikanischen Plattenfirmen in der Region dafür verantwortlich, dass Sänger, die ihre eigene Sprache benutzen, kaum Chancen haben, bekannt zu werden. Auch auf den Philippinen spielten die meisten Radiostationen englische Musik, weil sie damit die meisten Zuhörer fänden. "Wenn man originale Filipino-Musik macht, muss man durch die Kneipen und die Untergrund-Szene ziehen. Kommerziell ist da aber wenig herauszuholen."
Wegen der Allgegenwärtigkeit westlicher Musik in Südostasien haben Veranstalter des Konzerts in Vientiane den Teilnehmern vorgeschrieben, dass sie zumindest ein Lied auf Englisch singen müssen. Allerdings beherrschte kaum ein Künstler diese Sprache fließend. Das Publikum fand die lokalen Darbietungen daher wesentlich authentischer.
ASEAN hat sich das Ziel gesetzt, aus den zehn Mitgliedsländern bis 2015 eine Gemeinschaft zu bilden. Beobachter kritisieren, dass Kultur oft im Vergleich zu Wirtschaft und Politik in den Hintergrund gedrängt wird. Um den Kulturaustausch voranzutreiben, wurde 1979 COCI gegründet. Frühere Initiativen wie das 'ASEAN Golden Voice Festival' 2008 oder ein ASEAN-Konzert zu Ehren des 60. Krönungsjubiläums des thailändischen Königs Bhumibol 2009 nahm COCI allerdings nicht auf seine offizielle Agenda auf. (Ende/IPS/ck/2012)
Links:
http://www.aseansec.org/
http://www.aseancultureandinformation.org/coci/
http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=106629
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veröffentlicht im Schattenblick zum 7. Februar 2012